Herbert Leuninger

ARCHIV FAMILIE
2010

1. Februar 2010
«Dieser Tag hat mich gestärkt und ermutigt»
Das Bundesverdienstkreuz für den „Brückenbauer“ und den guten Hirten Dr. Ernst Leuninger

von Johannes L a u b a c h


Film

Professor Dr. Ernst Leuninger, Ordinariatsrat im Ruhestand und Ehrendomherr, ist wegen seines «außergewöhnlichen ehrenamtlichen Engagements weit über die Grenzen des Bistums hinaus» mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

Limburg/Mengerskirchen. Natürlich gilt es nach der empfangenen Auszeichnung Worte des Dankes zu sagen, aber Ernst Leuninger hat in diesem Augenblick gleich schon wieder anderes im Blick. Da ist ihm doch vor wenigen Minuten etwas in die Jackentasche gesteckt worden. Er greift rein, holt das Geld raus, überlegt kurz, rechnet um: «Ein halbes Schaf», sagt er zu seinen Gästen. Ein halbes Schaf für Bosnien. Er ist zwar hoch in den 70, aber immer noch in der Bosnienhilfe engagiert, die das Bistum im Zuge des Bürgerkriegs im ehemaligen Jugoslawien eingerichtet hatte.

Es könnte reichlich Schafe geben für die Menschen, nicht nur Christen, in dieser Region. An seinem goldenen Priesterjubiläum, das Leuninger vor kurzem feierte, wurde er reichlich beschenkt. «Mit fünf- bis sechstausend Euro habe ich gerechnet», erzählte er. Er hat mit dem Zählen noch nicht aufgehört. Über 14 000 Euro sind es schon. Und auch damit will er die Aufbauarbeit in Bosnien und im Kosovo unterstützen. Der gute Hirte, den Beinamen hat er dort, wo die mit seiner Hilfe gekauften Schafe weiden.

Zurück zum Bundesverdienstkreuz. Überreicht wurde die von Bundespräsident Horst Köhler verliehene Auszeichnung durch Heinz-Wilhelm Brockmann (CDU), Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium. Er habe sich, das gab er im Exerzitienhaus der Pallottinerinnen zu, in der die kleine Feier stattfand, durchaus vorgedrängt, als es im Kabinett darum ging, wer die Auszeichnung überreiche.

Für sein «außergewöhnliches Engagement über die Grenzen des Bistums hinaus» hat Leuninger das Bundesverdienstkreuz erhalten. Zu der Feier war nicht nur eine staatliche Anzahl der Leuninger-Familie erschienen, sondern auch Generalvikar Professor Dr. Franz Kaspar, Limburgs Bürgermeister Martin Richard und zahlreiche Vertreter der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, die auch die Auszeichnung beantragt hatten.

Leuninger hat sich eingemischt

«Ehrungen werden in der Kirche manchmal sehr distanziert gesehen», machte Brockmann deutlich. Doch der Staat dürfe sich auch das Recht nehmen, jemand in der Kirche zu ehren. Auch ein moderner demokratischer Staat stehe nicht gleichgültig der Frage gegenüber, ob sich die Kirche zum Beispiel in der sozialen Frage einmische. Leuninger habe dies in vorbildlicher Weise getan, sich eingemischt und durch seine zahlreichen Veranstaltungen und Aktivitäten weit über sein berufliches Tun und weit über die Grenzen des Bistums hinaus gewirkt.

Der 1933 in Köln geborene Leuninger wuchs in Mengerskirchen auf und wurde nach dem Theologiestudium 1959 zum Priester geweiht. Nach verschiedenen Priesterämtern wechselte er 1970 als Seelsorgereferent in Bischöfliche Ordinariat. Von 1979 bis 1998 war er Dezernent der Abteilung Erwachsenenbildung. Insbesondere der Bildungsarbeit der KAB habe Leuninger wichtige Impulse gegeben, so Brockmann. Leuninger war von 1998 bis 2005 Diözesanpräses der KAB.

«Es hat den richtigen getroffen», gratulierte der CDU-Landtagsabgeordnete Helmut Peuser, der selbst seit 40 Jahren der KAB angehört. Leuninger könne stolz darauf sein, was er für die Menschen im Bistum und darüber hinaus erreicht habe.

«Der Tag hat mich gestärkt und ermutigt», sagte Leuninger zum Abschluss. Er hat es nicht immer leicht gehabt, mit seinen Auffassungen und seiner Gesundheit nicht. Der Kirchenmann, der 1980 promovierte, fünf Jahre später habilitierte und von 1987 bis 2001 an der Theologischen Hochschule in Vallendar lehrte, ist noch aktiv in der Verkündigung und wird weiter als «Brückenbauer» wirken.