Herbert Leuninger ARCHIV ASYL
1985/7

Tagebuchnotizen
(mit späteren erklärenden Zusätzen in Klammern)

INHALT Als Mitglied des "Solidaritätskreises Asyl" von Pax Christi in Hofheim ergeben sich vielfältige Kontakte und Erfahrungen mit Flüchtlingen.

1985

Sonntag, 4.8.1985

Bei meiner Predigt um 7.00 Uhr gelingt es mir nicht, die Schwestern (im Seniorenheim Haus Maria-Elisabeth, Hofheim) zu erreichen. Der Anfang von der Flüsterstimme in amerikanischen Supermärkten, die durch gezielten Einfluß an der Aufmerksamkeitsschwelle Ladendiebstähle verhindern soll, weckt Interesse, dann aber klebe ich zu sehr an meinem Text.

Um 9 Uhr halte ich die Eucharistiefeier in Lorsbach, einer Filiale von Hofheim. Ich lerne die Gemeindereferentin Frau H. kennen, sie spielt ersatzweise die Orgel. Sieben Jahre ist sie bereits in der Pfarrei tätig, und wir waren uns bislang noch nicht begegnet. Wie weit muß meine Tätigkeit (als Ausländerreferent) von der ihren entfernt sein: sieben Lichtjahre!

Ich warte sehr darauf, daß das eine oder andere Mitglied der Pax-Christi-Gruppe („Solidaritätskreis Asyl") beim Gottesdienst anwesend ist. Dabei wird mir noch deutlicher als in den letzten Wochen, daß ich meine Predigten immer mehr an sie richte und von ihr her bedenke. Heute versuche ich darüber zu sprechen, daß Moralpredigten einen Menschen niemals nachhaltig verändern können, weil sie ihm etwas einreden, statt ihn anzusprechen.

Wir brauchen das Vorbild, das uns fasziniert und verwandelt, uns zur Nachfolge Jesu drängt. Ich sehe unter den etwa 60 Anwesenden Katharina und Vitus. Auch 9 Uhr ist für sie und ihre Kinder noch früh. Aber sie sind da, und ich freue mich sehr. Sie waren vorzeitig aus ihrem Urlaub zurückgekehrt, und wir hatten uns am Freitag darüber unterhalten, wie sehr es mich gestört hat, daß Margit Metz in dem Artikel der Frankfurter Rundschau über meine neue Tätigkeit (als Asylpfarrer) den Begriff Vorbild gebraucht hatte. Wir hatten uns in dem Gespräch darauf geeinigt, daß wir in der Basisgemeinde einander, jeder auf seine Weise und mit seinen Talenten, Vorbild sein könnten. Nach der Messe kommt eine Dame in die Sakristei und bedankt sich für die Predigt. Beim zweiten Mal war ich offensichtlich lebendiger. Ich hatte auch in der Zwischenzeit gefrühstückt.

Als ich in meinen Wagen einsteige sind es zwei weitere Damen, die ihren Dank für die Predigt aussprechen. Ich werde nachdenklich, weil dies bei der geringen Zahl der Sonntagsgemeinde ein unerwartetes Echo ist, und ich dieser Art Gemeinde nicht mehr viel sagen zu können glaubte. Katharina fand es gut, daß ich länger als sonst gepredigt habe. Sie findet meine sonstigen Predigten zu knapp, es fehle Zeit zum Nachdenken.

Um 10 Uhr trifft sich die Restgemeinde (also ohne unsere Urlauber) bei Regina und Hartwig zum Sonntagsfrühstück. Dies hat sich in den letzten Wochen so eingespielt. Rundum wird eingeladen, und es kommt, wer da ist und Lust hat. Es sind opulente Frühstückstafeln, die den Charakter eines Brunch haben, also das Mittagessen überflüssig machen. Dabei ist Gelegenheit sich zwanglos auszutauschen. Immer mehr geraten diese Frühstücke auch zu einem Stück Arbeitsessen. Heute sind wir acht Personen. Ich lerne auch die Tochter unserer Gastgeber kennen.

Regina ist Frau Hansu begegnet. Soweit sie es verstehen konnte, habe diese ein Telegramm erhalten mit der Nachricht, daß mehrere Familienmitglieder aus Eritrea im Sudan gestorben seien. Jetzt will sie Trauerkleidung kaufen. Regina begleitet sie zur Fa. Buch. Wir überlegen, wie wir Frau Hansu in ihrer Trauer zur Seite stehen können. Ich will Elias fragen, mit dem ich heute Mittag in die Nähe von Kassel fahre, um eine eritreische Mutter zu besuchen, die dort allein mit ihren zwei kleinen Kindern in einem Wohnheim lebt, und, nachdem sie als Flüchtling anerkannt ist, gern in der Frankfurter Raum ziehen möchte.

Wir befassen uns ausführlich mit der Erstellung der Info-Tafeln beim ökumenischen Gemeindetreffen am 1.9. in Sulzbach. Die Texte stehen fest, die Fotos sind ausgewählt. Klaus und Hartwig werden die Tafeln und Gestelle fabrizieren, für die Schrift sind Edith und Vitus zuständig. Er will auch die Texte für die Fotos entwerfen. Die Vergrößerungen wird Edith bei einem preisgünstigen Foto-Geschäft in Wiesbaden machen lassen (Tipp von Elke und Bernd). Klaus will überlegen, ob die rote Taube, die Katharina und Vitus mir mitgebracht haben, in großer Anzahl gestanzt und zur Verteilung verwendet werden kann. Katharina soll M. Metz fragen, ob sie einverstanden ist, wenn wir ein Foto von der Presseausstellung, auf dem sie zu sehen ist, verwenden. Katharina und Regina werden alle Fotos in Alben kleben.

Für die Broschüre, in der sich die einzelnen Gruppenmitglieder vorstellen sollen, bin ich verantwortlich. Ich bitte alle, mir ihre Texte bis Ende nächster Woche hereinzugeben. Klaus hat seinen Text dabei. Es ist ein Gedicht über seinen Aufstieg zur Gemeinde. Edith ist nicht ganz damit einverstanden, daß Klaus unter die Dichter gegangen ist. Ich unterstütze ihn und halte es für wichtig, daß wir mit unseren Erfahrungen auch poetisch umgehen. Ich bin manchmal versucht, es bei meinen Predigttexten zu probieren. Katharina wird auch Vigen, Juliette und Vartan (armenische Christen aus dem Iran) ermutigen, uns Texte zur Verfügung zu stellen.

Weitere Informationen von mir: Anruf vom Gemeindereferenten in Sulzbach. Ein polnischer Asylbewerber, Sulzbach zugewiesen, möchte gern mit seiner Braut zusammen leben, die nach Schöneck (Flüchtlingsunterkunft) gekommen ist. Da kein Anspruch auf Familienzusammenführung besteht, müßte dies auf humanitäre Weise bei Schweitzer in der HGU (Hessisches Erstaufnahmelager für Flüchtlinge bei Schwalbach a.Ts.) versucht werden.

Sulzbach will im September einen Asyl-Arbeitskreis von Pax-Christi gründen. Es wird unsere Unterstützung erwartet. Frau Best von der Gemeindeverwaltung Kriftel und Mitglied des dortigen Arbeitskreises Asyl hat von der Gemeindereferentin gehört, wir würden regelmäßig Gottesdienste mit den katholischen Eritreern feiern. Ob wir dazu nicht eine kath. Eritreerin, die in Kriftel wohnt, einladen könnten. Ich sage zu, falls wir einen Gottesdienst feiern oder wieder ein eritreischer Priester nach Frankfurt kommt, die Dame einzuladen.

Um 13.30 Uhr hole ich Elias in Hofheim-Diedenbergen (Flüchtlingsunterkunft) ab. Er hatte telefonisch mit Frau M., die mit zwei Kindern in der Nähe von Kassel wohnt, vereinbart, daß wir sie am Sonntag besuchen. Sie ist ohne ihren Mann in die Bundesrepublik geflüchtet, ohne zu wissen, wo er sich derzeit befindet. Sie ist noch nicht darüber informiert, daß er an einem Unterschenkel schwer verwundet wurde.

Wir trinken zunächst ein Glas aromatischen Tee, von Hannah (Frau von Elias) zubereitet. Töchterchen Raimok hatte mich im Treppenhaus empfangen und ins Zimmer der Familie geführt. Sie fragt, wer ich sei, ein Freund vielleicht. Elias: Ich sei ein Vater. Weitere Frage, ob er denn zwei Väter habe. Ich frage ihn, warum er mich nicht, wie ich es erwartet habe, als Freund bezeichnet. Elias: Das würde er nur bei Gleichaltrigen tun, außerdem sei ich im doppelten Sinne Vater. Die zweite, kleinere Tochter bereitet den Eltern große Sorge. Sie hat sehr mit den Bronchien zu tun und kann im Augenblick wegen einer Entzündung im Mund kaum Nahrung aufnehmen. Er will morgen früh mit dem Kind zum Arzt, ein größeres Unternehmen ohne eigenes Auto.

Elias zeigt mir mit großer Freude einen Brief seines Bruders, der Priester ist, derzeit in Rom weilt und seinen Bruder in Kürze besuchen möchte. Zwei Tage zuvor hatte mir E. erzählt, daß er einen Bruder hat, der Priester ist und den er seit 13 Jahren nicht mehr gesehen hat. Nun entsteht für ihn das Problem, wo er seinen Bruder unterbringen soll. Ich konnte ihm die Sorge abnehmen.

E. hatte seine Monatskarte verloren (127.- DM) und kann sich keinesfalls eine zweite leisten. Diedenbergen ist Zone III, sonst kostet die Karte nach Frankfurt DM 90.--. Die Familie verfügt nur über DM 150.- Taschengeld im Monat. Die verlorene Karte kann trotzdem ersetzt werden. Es zeigt sich wieder, daß die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ein riesiges finanzielles Problem ist, andererseits aber lebensnotwendigen Charakter besitzt.

Während wir Tee trinken, kommt T. (18) auf einen Sprung herein und begrüßt mich. Ich war ihm behilflich, als er wegen Schwarzfahrens 40.- DM Strafe zahlen mußte. Ein weiterer junger Mann schaut durch die Tür um zu fragen, ob wir Richtung Frankfurt führen. Wir nehmen ihn nach Ffm.-Sindlingen mit, wo Freunde in der Nähe des Bahnhofs leben. Zuvor hatten wir J. im Wohnheim in der Ahornstraße abgesetzt.

Dann ging`s ab nach Kassel. Wir mußten aber mehr als 10 Minuten suchen, bis wir auf einer der beiden Autokarten Jesberg gefunden hatten, ein Ort, der hinter den Bergen liegt. Unterwegs hatten E. und ich Gelegenheit vieles zu besprechen. Ich fragte ihn nach Fr. H. E. wußte zu berichten, daß eine Tante und ein Onkel, außerdem zwei Neffen innerhalb kürzester Zeit in der Heimat verstorben seien. Woran, wußte er nicht zu sagen, vielleicht an einer schlimmen ansteckenden Krankheit. Ich bat ihn zu überlegen, wie wir als Gruppe Fr. H. zur Seite stehen könnten und ob es ihr ein Trost wäre, wenn wir einen Gedenkgottesdienst für die Verstorbenen hielten. Er hielt dies für eine gute Idee. E. kam dann auf seinen älteren Landsmann zu sprechen, der selbst an schwerer Diabetes leidet, und in der großen Sorge um seine Frau und seine fünf Kinder, die als Flüchtlinge unter denkbar schlechten Verhältnissen im Sudan leben, darauf vergißt, sich ausreichend mit Nahrung zu versorgen, und immer wieder ins Koma fällt. Irgendwie erwartet er eine Hilfe von der Gruppe. Ich schlage vor, H. K. stärker in unsere Gruppe einzuführen und die Kontakte mit mir zu fördern.

In Jesberg fanden wir sehr schnell das Haus, Schloßstr. 5 in der Ortsmitte, ein ehemaliges herrschaftliches Gebäude, das danach als Altenheim gedient hatte. Wir wurden von Frau M. sehr gastfreundlich empfangen und in einer für die Möglichkeiten überaus großzügigen Weise mit Getränken, der eritreischen Spezialität, eines mit einem scharf gewürzten Fleischgericht gefüllten Pfannkuchens und mit Spaghetti mit einer besonders bereiteten Soße bewirtet. Mit den beiden Kindern konnten wir uns schnell anfreunden. Das fünfjährige Töchterchen zeigt mir irgendwann ein kleines Christusbild an der Wand. Wir sind erstaunt, daß sie es gerade mir zeigt, obwohl ich wirklich nicht als Pfarrer gekleidet bin. Die Mutter berichtet, das Kind dränge immer auf den sonntäglichen Gottesdienstbesuch.

Die Frau ist in Erwartung ihres dritten Kindes, und es ist mehr als verständlich, daß sie von Jesberg weg möchte. Die Verkehrsanbindung des Ortes ist miserabel. Um zur Kreisverwaltung nach Homberg zu kommen, bleibt nichts anderes übrig, als 13 km nach Treysa zu trampen und von dort den Zug zu nehmen. Bei der Rückfahrt kann es passieren, daß man in Treysa stundenlang auf eine Gelegenheit warten muß um mitgenommen zu werden. Als der Sohn kürzlich über 40 Grad Fieber hatte, kam der Krankenwagen erst am nächsten Tag und brachte das Kind in das 50 km weit entfernte Kassel.

Fr. M. legt uns noch die Ausgabe der Fritzlar-Homberger Allgemeinen vom 24.7. vor, in der auf der ersten Seite eine Vermißtenmeldung eines eritreischen Mitbewohners mit Foto abgedruckt ist, der sich einige Tage aus Jesberg entfernt hatte, wohl um Freunde zu besuchen, ohne hierfür aber eine Erlaubnis zu besitzen. Die Nähe zur Suchfahndung eines Kriminellen oder Unmündigen ist unverkennbar und offenbart eine behördliche Überreaktion bzw. vielleicht sogar eine Verletzung des Persönlichkeitsschutzes. Vielleicht war aber auch eine Abschreckung geplant, die fremdenfeindliche Züge besaß. Der Betreffende wurde von der Behörde mit Kürzungen der Lebensmittelrationen "bestraft".

Wir verabschieden uns um 6 Uhr. E. verspricht, sich um eine Wohnung in unserem Raum zu bemühen. Auf der Rückfahrt besprechen wir die Frage der Gründung eines eigenen Vereins. E. berichtet von einem Verein in Stuttgart und von einer entsprechenden Idee bei Freunden in Frankfurt. Man denkt an einen Kulturverein.

Montag, 5.8.1985

Ich frage auf einer Fahrt nach Limburg gegen 8 Uhr in Diedenbergen nach, ob ich die Fahrt zum Arzt nicht noch schnell übernehmen kann. Dies ist nicht erforderlich, Volker ist bereits eingesprungen.

Auf der Rückfahrt nehme ich den iranischen Studenten und zwei junge iranische Damen auf ihrem Weg von Marxheim zum Bahnhof mit. Der Student, der neulich tief deprimiert war, weil er ohne Zeugnisse seine Studienbefähigung nicht nachweisen konnte, hat inzwischen zwei Studienzulassungen von München und Gießen. Unterwegs hatte ich noch an ihn gedacht und mir überlegt, Bernd einzuschalten, der seit 1.8. Abteilungsleiter im Hess. Kultusministerium ist. Der junge Mann hatte bei all seiner Freude auch eine für ihn sehr bittere Nachricht. Er hatte Kleidung mit DM 200,- in die Waschmaschine gesteckt. Das Geld war verloren.

H. Hermann von Sulzbach ruft an und berichtet von einem Erfolg für die "Familienzusammenführung" der beiden polnischen Verlobten. Einer der in Schwalbach zuständigen Sozialarbeiter macht ihn darauf aufmerksam, daß es dort viele Flüchtlinge gäbe, die einen katholischen Gottesdienst wünschten. Bisher gäbe es nur freikirchliche.

Anruf von Prof. Dr. Dr. Kraus, Abteilungsleiter im Hessischen Sozialministerium. Wir machen für heute Nachmittag einen Termin in Wiesbaden aus. Ich betrachte dies als Vorstellungstermin in meiner neuen Tätigkeit im Main-Taunus-Kreis.

Anruf Ulrike. Holler (Hessischer Rundfunk). Sie bereitet eine Sendung vor über die auch in der Bundesrepublik weitergehende Verfolgung religiöser Flüchtlinge. Ob ich hierzu Unterlagen besäße. In Schwalbach sei vor einem Jahr islamischen Flüchtlingen der Ausgang zum Besuch der Moschee nicht gestattet worden.


1987

Freitag 20.11.1987

Ich habe Besuch von Prälat Seidenather. Wir sind gerade beim Essen, da ruft Tewelde (Name geändert) aus dem Krankenhaus in Frankfurt -Höchst an. Seine Frau kann die Klinik verlassen. Das Kind muß aber wegen Verdacht auf Gelbsucht noch im Krankenhaus bleiben. Er fragt, ob ich sie nach Marxheim (Wohnheim für Flüchtlinge) bringen kann. Ich verabschiede mich bald von Herrn Seidenather und hole beide im Krankenhaus ab.

Samstag, 21.11. 1987

9.30 h:
Ich fahre nach Marxheim, um Tewelde und seine Frau ins Krankenhaus nach Ffm-Höchst zu fahren. Von dort fahren wir beide nach Eschborn in die dortige Apotheke um eine Milchpumpe zu holen. Von dort geht es wieder zurück ins Krankenhaus.

Mittags ruft mich Abdulaziz an, ich möchte doch bitte Fiori aus Lorsbach zum Ende des eritreischen Schulunterrichtes nach Hause fahren.

Um 15 h ruft Tewelde aus Marxheim an. Der kleine Asmeron (Name geändert) dürfe doch schon nach Hause; ob ich ihn mit der Mutter zusammen abholen könne. Ich fahre nach Marxheim, um Tewelde abzuholen, treffe dort Sahel, die mir erzählt, dass die Mutter mit ihren beiden Geschwistern heute aus Teheran in Frankfurt ankommt.

Dann erfahre ich, dass die Frau von Gallus in Königstein entbunden hat und heute mit ihrem Baby - einem Jungen - aus dem Krankenhaus zurückkommt. Ich sage mich für morgen zum Besuch bei der Familie an. Nachdem ich Asmeron und seine Mutter aus dem Krankenhaus abgeholt habe, werde ich zum Essen bei der Familie eingeladen. Saba (Name geändert) hat gekocht. Da ich nicht richtig zulange, füttert sie mich mit der Gabel. Es gibt dann noch Tee und Kaffee. Habeba schaut kurz herein und begrüßt das Baby mit einem Freudentriller (für Mädchen 7mal und für Jungen 12mal). Ich treffe Karnik (Armenier) und erfahre, daß Armen eine Kinderkrankheit hat. Ich sage auch hier meinen Besuch für Sonntag an.

17.30 h: Anruf von Willi aus der Schule. "Kannst Du schon kommen, um Fiori heimzubringen?" Ich fahre in die Schule und verteile an die Kinder Schokoküsse, nehme Fiori und Frau Mehari mit ihren beiden Jungen, die ich seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte, mit. Abdulaziz bringe ich gleichzeitig an die S-Bahn. Bei Hansu ist auch Weyni mit ihren beiden Kindern zu Besuch. Eine Einladung zum Tee muß ich ausschlagen.

19.00 h Anruf von Mehretab aus Marxheim. Er lädt mich für morgen zu einem Fest bei Habeba ein. Sie feiert das Fest des hl. Michael.

Sonntag, 22.11.1987

15.00 h:
Ich gehe zu Habeba. Dort haben sich etwa 40 Eritreer versammelt um mit Habeba zu feiern. Ausführliche Begrüßung. Ich habe Habeba eine Schachtel Pralinen und eine Flasche Wein mitgebracht. Werde zum Essen eingeladen. Mit Mehretab spreche ich über seine Cousine, die von Rom nach Nairobi zurückgeschickt wurde; dann von Nairobi in den Sudan; vom Sudan nach Somalia und von Somalia wieder nach Nairobi. - Eine Tragödie !

Ich gehe nach einer Stunde zur Familie von Gallus, um den kleinen Garni zu sehen. Habe für seine Mutter eine Schachtel Pralinen und für den Vater eine Flasche Wein und für das Kind DM 50,-- mitgebracht. Ich wurde auch dort zu Kaffee, Tee, Gebäck und Obst eingeladen; habe Raymok und die kleine Naziret mitgenommen, weil sie auch das Baby sehen möchten.

S. und Yolanda und ihre Eltern kommen dazu. Wir sprechen über Yolandas und Saros Hochzeit. Es gibt Schwierigkeiten mit dem Termin für den armenischen Pfarrer. S. gibt mir das Geld zurück, das ich ihm zur Abdeckung seiner Verpflichtungen vorgestreckt hatte. Roubina kommt vorbei und berichtet, daß ihr Vater, den ich eingeladen hatte, voraussichtlich noch vor Weihnachten nach Deutschland kommt.

Von dort gehe ich zur Familie von Karnik und Anahid, treffe dort auch die Familie von Armen. Sie ist sehr bedrückt, weil sie von der amerikanischen Einwanderungsbehörde abgelehnt wurde, während Anahid und Karnik zur medizinischen Voruntersuchung vorgeladen sind. Anahid bittet mich zu erkunden, ob es in Hofheim einen Arzt gibt, der sie mit einem Sonographen untersuchen kann. Ich gehe noch einmal zurück zum Appartement von Habeba, um Sarah, Awka und Semrit heimzufahren. Ich fahre zuerst nach Eppstein und von dort zurück nach Unterliederbach. Dabei unterhalte ich mich mit Sarah, die ihren Hauptschulabschluß macht und gerne Krankenschwester werden möchte. In Unterliederbach, wo sie in einer Wohngemeinschaft lebt, treffe ich dann andere Mitglieder der Wohngemeinschaft, unterhalte mich mit Volker über die Zelte in Schwalbach und mit Christel über verschiede Angelegenheiten. Feisal aus Somalia ist auch da und wird wahrscheinlich nach Unterliederbach übersiedeln.

Gefahrene Kilometer am Freitag, Samstag und Sonntag: ca. 130.