Herbert Leuninger

ARCHIV KIRCHE
1986

Gru▀wort
25 Jahre Spanische Katholische Missionen in der Bundesrepublik
Feier am 3.5.1986 in Frankfurt/Main

Ich bin zu einer "Gedächtnisfeier" eingeladen. Mein erster Gedanke: Du gehst auf eine Beerdigung. Aber, das kann doch wohl nicht sein! Es handelt sich schließlich um ein freudiges Jubiläum. Dennoch, ich empfinde es auch als eine Beerdigung. Wir begraben heute eine Vergangenheit. 25 schwere, leidvolle, diskriminierende Jahre der Emigration! Oh, könnten wir sie wirklich beerdigen! Könnten wir uns endgültig hiervon trennen!

Die Erinnerung bleibt, das Gedächtnis wird nicht ausgelöscht. Für mich - und ich denke auch für meine Kollegen, die Delegaten, Referenten und Verantwortlichen des Caritas-Verbandes - ist es auch die Erinnerung an einen gemeinsamen Einsatz für die Würde des Menschen, für die Würde der Arbeitsmigranten und ihrer Familien. Hier haben die spanischen Gemeinden mit ihrem Pastoralrat und vor allem mit ihren Delegaten eine beispielhafte Rolle gespielt. Ohne die spanische Kirche in der Bundesrepublik hätte die Kirche in der Bundesrepublik niemals ihr Engagement so klar und überzeugend durchgehalten, wie sie es schließlich getan hat.

Die spanische Emigration für mich war das sehr deutlich - stand in einer tiefen Beziehung zum Prozeß der Befreiung in Südamerika. Die spanische Kirche in Deutschland hat aus der christlichen Hoffnung und der Spiritualität christlicher Befreiung gelebt. Sie hat uns befruchtet.

Und wenn es jetzt sogar eine Instruktion Roms "Über die christliche Freiheit und die Befreiung" gibt, dann ist der heutige Tag kein Totengedenken sondern ein Triumph, ein Triumph der Hoffnung. UN TRIUMFO DE LA ESPERANZA!

Ich schließe mit einem Zitat. Es ist der erste Satz des Briefes der Bischöfe der Vereinigten Staaten von Amerika an die spanischsprechenden Immigranten. Ich nehme diesen Satz als den unsern: "En este momento de gracia reconocemos que la comunidad hispana que vive entre nosotros es una bendición de Dios" (In dieser Stunde der Gnade erkennen wir dankbar an, dass die spanische Gemeinschaft, die unter uns lebt, ein Segen Gottes ist).