Herbert Leuninger ARCHIV MIGRATION 1983

Medien und Ausländer

Eine kritische (Nach-) Lese



INHALT

  1. Die "Gastarbeiter" in der Presse von gestern
  2. Die "Ausländer" in der Presse von heute
    1. Das Alltagsthema: Kriminalität
    2. Das Feuilleton-Thema: Überfremdung
  3. Minderheiten in der Presse von morgen - eine neue Perspektive

1. Die "Gastarbeiter" in der Presse von gestern

1972 hat Juan Manuel-Delgado im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen eine inhaltsanalytische Studie mit dem Titel "Die Gastarbeiter in der Presse" veröffentlicht, in der er über 3000 Berichte aus 84 Zeitungen Nordrhein-Westfalens gesichtet und ausgewertet hat. Die Artikel stammen aus den Jahren 1966-1969, also aus der Zeit einer Wirtschaftsrezession, so daß Delgado in geradezu modellhaft verkürzter Form Rezession, Stagnation und Aufschwung überblicken und in seine Analyse einbeziehen kann. Vom Inhalt her werden die Zeitungsberichte in vier Gruppen eingeordnet: a) Sensation - Kriminalität, b) Goodwill, c) Sachberichte und d) Arbeitsmarktberichte (S. 20). Um nun gleich zu Ergebnissen zu kommen: Die Sensation-Kriminalitäts-Berichte steigen von Periode zu Periode um mehr als 3 %, die Goodwill-Informationen verringern sich von der ersten zur dritten Periode genau um die Hälfte, während die Berichterstattung über die Ausländerbeschäftigung immer häufiger wird (S. 28).

Bezogen auf die verschiedenen Nationalitäten ergibt die Untersuchung, daß bei allen Gruppen die Sensations-Kriminalitäts-Berichte dominieren (S. 32). Der Umfang dieser Berichterstattung ist jedoch bei den Türken am höchsten. Das gilt im übrigen von der gesamten Berichterstattung über diesen Bevölkerungsteil. Während dieser mit der Zahl der Berichte an erster Stelle steht, macht er aber bevölkerungsmäßig damals erst nach den Italienern und Griechen die drittstärkste Gruppe aus. Vermutlich werden damit bereits die Grundlagen für die heutige Türkenfeindlichkeit geschaffen bzw. deutlich. Ähnliches gilt generell für die Funktion, die Kriminalitätsberichte überhaupt für eine wachsende Fremdenfeindlichkeit haben.

Delgados Resümee läuft darauf hinaus, "daß die Kommunikationsinhalte der nordrhein-westfälischen Tagespresse wohl zu einer Überbetonung der Sensations-Kriminalitäts-Kategorie führen" (S. 126). Die Zusammensetzung der Presseinformationen über die "Gastarbeiter" richte sich nicht nach dem Gesetz der Menschlichkeit, sondern nach denen der Aktualität und Exklusivität (S. 127). Die Unterrichtung der Leserschaft sei unvollkommen, einseitig und die "Meinungsbildung" schablonenhaft, unreflektiert und undifferenziert (S. 128).

Auf ein wissenschaftlich sicher riskantes Unternehmen läßt sich Delgado wenn auch nicht ohne Absicherung ein, wo er aus den Tenor der untersuchten Berichte die Einstellung der Berichterstatter, also der Zeitungsjournalisten selbst herauszudestillieren versucht (S. 90ff.). D.h., wo er der Frage nachgeht, welche Eigenschaften die Journalisten den ausländischen Arbeitnehmern zuschreiben und wie das Hervortreten solcher Eigenschaften legitimiert wird (S. 91). Der Autor wendet ein bestimmtes Verfahren an, um den unterschiedlichen Grad der Zustimmung, Ablehnung bzw. der zwiespältigen Haltung bezüglich der "Gastarbeiter" registrieren zu können (S. 94).

Bei dem, was Delgado als positive Einstellung wertet, nimmt die Haltung: Wir benötigen die Gastarbeiter, eine erste Stelle ein. Vielleicht ist diese Einstellung ausgesprochen ambivalent, auch wenn sie heute immer wieder gerade bei wohlmeinenden Politikern und Publizisten zu finden ist. Sie ist ambivalent, aber ebenso charakteristisch wie die mit der betreuerischen Attitüde, dass wir uns um sie kümmern sollten, bzw. sie als Freunde behandeln wollen, da wir ihnen verdanken, daß es uns wirtschaftlich gut geht; Einstellungen, die auf Rang zwei und drei der Prioritätenskala folgen. Erst an vierter Stelle kommt eine Haltung, die tiefer reicht, weil sie von der grundsätzlichen Gleichheit der Menschen ausgeht und nicht ihren instrumentalen Charakter betont.

Während diese positiv eingestuften Einstellungen aus 980 Berichten herausgelesen werden, sind es 932 Berichte, denen von der Einstellung der Berichterstatter her eine negative Haltung zugesprochen wird. Hier rangiert die Einstellung, daß die Gastarbeiter lästig seien und überall unangenehm auffielen, an erster Stelle. Es folgt die Heißblütigkeit der meisten Südländer und die Tendenz, sie in ihre Länder zurückzuschicken; schließlich, daß wir sie nicht unbedingt brauchten und zuletzt die rassistische Komponente, sie gehörten einem anderen Menschentyp an.

Eine ambivalente Einstellung wird in 1.588 Berichten festgestellt. Danach gibt es unter den Gastarbeitern - wie überall - gute und schlechte Menschen (Platz 1), sie sind ein notwendiges Übel (2), als Arbeitnehmer sind sie uns willkommen, sonst sollten sie sich aber von unserem Leben fernhalten (3). Sie sind zwar unentbehrlich, aber es besteht die Gefahr, daß sie für immer in Deutschland bleiben wollen (4). Auf Platz 5 schließlich die Einstellung, der willkommene Gastarbeiter von heute könne der gefährliche Arbeitsplatz-Gegner von morgen werden!

Die Variabilität aller genannten Einstellungen, d.h. ihre Abhängigkeit von der jeweiligen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lage wird durch die Verschiebung der drei Perioden der Analyse unterstrichen.

2. Die "Ausländer" in der Presse von heute

Neben dem verwendbaren Begriffsinstrumentarium, das Delgado bietet, sind es vor allem die Ergebnisse der Analyse, die eine Beschäftigung mit ihr lohnend machen, obwohl der Einwanderungsprozeß um mehr als eine Dekade weitergegangen ist und eine inzwischen erhöhte Sensibilität der Öffentlichkeit für die damit verbundenen Phänomene erwartet werden muß. Dennoch scheint es Kontinuitäten und Abhängigkeiten zu geben, die erstaunliche Vergleiche zwischen damals und heute erlauben. Drei Erfahrungen bzw. Einschätzungen können diesen Zusammenhang verdeutlichen: 1. Im Rahmen einer politischen Krisenbewältigung ist die öffentliche Meinung gegenüber den "Ausländern" mit einer hohen Plausibilität für fremdenfeindliche Einstellungen umgeschlagen. 2. Bei diesem Meinungsumschwung bekommen Einstellungen ein Übergewicht, die hinsichtlich der "Gastarbeiter" immer schon vorhanden waren und für die Ausländerpolitik nach wie vor entscheidend sind. 3. Offensichtlich sind die (Massen-)Medien gezwungen, diesem Meinungsumschwung Rechnung zu tragen; sie verstärken ihn gewollt oder ungewollt und zwar sowohl im journalistischen Alltagsgeschäft als auch in der geistigen Aufarbeitung.

Nur exemplarisch und aus begrenzter Perspektive soll im folgenden hinsichtlich der Alltagsthematik auf die Vermittlung der Kriminalitätsstatistik und im Hinblick auf die geistige Auseinandersetzung auf die" Transportierung" bedenklichen Gedankenguts durch "Flaggschiffe" bundesdeutscher Publizistik eingegangen werden.

2.1 Das Alltagsthema: Kriminalität

Zu den Themen, an denen die Medien nicht vorbeikommen und auch nicht vorbeigehen, gehört die Ausländerkriminalität, und zwar insofern sie statistisch erhebbar ist und von offizieller Seite erhoben wird. Es wäre doch wohl eine Informationsmanipulation und Informationsvorenthaltung, wenn Rundfunk, Fernsehen und Zeitungen die Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes, wie sie jährlich von der Konferenz der Innenminister vorgelegt wird, nicht erwähnten oder nicht darüber berichteten. Es bleibe hierbei einmal die Reflexion beiseite, was es überhaupt mit der Kriminalstatistik und ihrer Rolle gegenüber abweichendem Verhalten in einer Gesellschaft auf sich hat, und welches Maß an Projektion kollektiver Schwäche vielleicht damit verbunden ist. So zählt auf jeden Fall der statistische Umgang mit der Ausländerkriminalität zu den klassischen Stereotypen des Verhältnisses einer Gesellschaft zu einer Gruppe, die in besonderer Weise als Fremdgruppe ausgemacht werden kann: Ausländer und Kriminalität zusammengenommen, das ist immer noch ein Thema.

Nach der gängigen Volksfeindideologie schädigt die Fremdgruppe das Volk politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich und moralisch. Daher gehören auch zu den Stereotypen nicht nur die Gefährdung der biologischen Substanz eines Volkes und der Entzug von ungeheuren Summen aus dem Volksvermögen, sondern eben auch eine als äußerst bedenklich empfundene, besondere Kriminalität der Fremden (vgl. C.H. Meyer, Der Haß auf das Fremde, in: Süddeutsche Zeitung vom 17./18.7.1982).

Hierzu nun als Beispiel die Verarbeitung der von der Konferenz der Innenminister vorgelegten Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes für 1981 in drei überregionalen Blättern vom 12.5.1982: "Die Welt" bringt einen eigenen Bericht: "Die Kriminalstatistik weist für die vergangenen Jahre einen erheblichen Anstieg der Zahl ausländischer Tatverdächtiger auf: Von 12,1 % (151.968 Einzelfälle) im Jahre 1977 bis 16,0 % (244.600 Fälle) 1981. Der Ausländeranteil an der gemeldeten Wohnbevölkerung nahm dagegen zwischen 1977 und 1981 nur um 1 % auf 7,4 % zu. Besonders hohe Ausländeranteile unter den Tatverdächtigen werden bei folgenden Straftatbeständen verzeichnet: Glückspiel, Fälschung technischer Aufzeichnungen, Vergewaltigung (durch Gruppen), Taschendiebstahl, Menschenraub, Körperverletzung mit tödlichem Ausgang, illegaler Handel und Schmuggel von Heroin. Den höchsten Anteil unter den nichtdeutschen Tatverdächtigen haben mit 31,3 % die Türken. Ihnen folgen mit weitem Abstand die Jugoslawen (12 %) und Italiener (9 %)." Es folgt der Hinweis auf die besonders stark angestiegene Kriminalität bei ausländischen Jugendlichen und Heranwachsenden.

Ähnlich berichtet die Frankfurter Rundschau, die den BKA-Bericht in eigener Verarbeitung und unter Verwendung eines Agenturberichtes (AP) zusammenfaßt. Allerdings ergänzt die Rundschau ihren Bericht um einen wichtigen Zusatz aus dem BKA-Bericht, der einräumt, daß ein Vergleich der Kriminalitätsbelastung zwischen deutscher und ausländischer Wohnbevölkerung wegen des doppelten Dunkelfeldes in der Kriminalitätsstatistik und in der Bevölkerungsstatistik nur sehr schwer möglich sei. So müßten von den 244.600 Fällen nichtdeutscher Tatverdächtiger zunächst 30.918 Personen abgezogen werden, die sich 1981 illegal in der Bundesrepublik aufhielten, weiter 12800 Soldaten und Angehörige der Stationierungsstreitkräfte, sowie 17.036 Touristen oder Durchreisende. Auszuklammern wären ferner fast 20.000 in der Bevölkerungsstatistik enthaltene Nichtdeutsche, gegen die wegen eines ausländerspezifischen Deliktes ermittelt würde. Der Artikel fährt fort: "Trotz dieser statistischen Unsicherheiten . . ."

Die Süddeutsche Zeitung fällt mit ihrem Bericht über die Kriminalstatistik völlig aus dem Rahmen, insofern sie die Ausländerkriminalität überhaupt nicht erwähnt, wobei nicht erkennbar war, ob das an der Übernahme der Reuter-Meldung lag, oder an einer redaktionellen Kürzung durch die Süddeutsche Zeitung.

Nun aber die Überlegung: Welche der drei genannten Zeitungen hat journalistisch einwandfrei gehandelt? Aufs erste gesehen die Süddeutsche Zeitung offensichtlich nicht, insofern sie einen in dem offiziellen Bericht enthaltenen Informationsteil, der die Öffentlichkeit brennend interessiert, einfachhin ausläßt. Ist dies journalistisch zu verantworten? Wenn dahinter ein ausdrückliches, vielleicht von einem bestimmten Informationskonzept getragenes Auslassen steht, wäre das ein Anlaß zur Diskussion.

Diese Diskussion läßt sich mit Material anreichern, das die Problematisierung, die der BKA-Bericht selbst vornimmt, noch verstärkt, insofern die Zeitung "Die Welt" in dem genannten Artikel davon spricht, daß die Türken mit 31,3 % den höchsten Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen stellten und ihnen in weitem Abstand die Jugoslawen mit 12 % und die Italiener mit 9 % folgten. Es darf angenommen werden, daß der unbefangene Leser im Zusammenhang mit der vorherigen Mitteilung von der enormen Steigerung der Ausländerkriminalität diese nun vor allem mit den Türken assoziiert. Wenn diese Wirkung nach aller Erfahrung zu erwarten ist, erhebt sich die Frage, ob sie aus presseethischen Gründen einfach außer acht gelassen werden darf. Dies wird als Frage noch dringlicher, wenn der Anteil der genannten Nationalitäten an der Gesamtzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen mit dem Prozentsatz verglichen wird, den die jeweilige Nationalität an der Ausländerbevölkerung in der Bundesrepublik ausmacht. Danach stellt die türkische Bevölkerung 1981 33 % der nichtdeutschen Bevölkerung, aber nur 31 % der nichtdeutschen Tatverdächtigen. Die jugoslawische Bevölkerung macht 14 % aus. Ihr Anteil an den Tatverdächtigen liegt bei 12 %, also auch unter ihrem Anteil an der Bevölkerung. Mit 9 % italienischer Tatverdächtiger liegt diese Nationalität sogar beachtlich unter dem Anteil, den sie an der nichtdeutschen Bevölkerung hat. Er liegt ebenfalls bei 14 %. Dieser Vergleich wäre also durchaus geeignet, das Vorurteil abzubauen, es gäbe in der nichtdeutschen Bevölkerung eine Nationalität, die im Vergleich zu den anderen eine weit überhöhte Kriminalität aufwiese.

Allerdings ist damit noch nicht die Festlegung des BKA aus der Welt, daß die Ausländer insgesamt doppelt so viel Tatverdächtige stellen (1982: 15,7 %), wie es ihrem Bevölkerungsanteil (7,7 %) entspricht. Dabei wird im entsprechenden Bulletin vom 23.4.1983 der Hinweis wiederholt, der eben bereits von der FR zitiert wurde, daß ein Vergleich der tatsächlichen Kriminalitätsbelastung der nichtdeutschen Wohnbevölkerung mit der deutschen wegen des doppelten Dunkelfeldes in der PKS und in der Bevölkerungsstatistik sehr schwer möglich sei. So müßten bei einem Vergleich der Belastungszahlen bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen im Jahre 1982 21,6 % abgezogen werden, ferner ein in der Bevölkerungsstatistik enthaltener Teil derjenigen Nichtdeutschen, gegen die wegen eines ausländerspezifischen Deliktes (Verstöße gegen Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen des Ausländergesetzes) ermittelt wurde, das sind 1982 18,1 % der nichtdeutschen Tatverdächtigen. Nach eigener Berechnung sinkt damit der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen von 15,7 auf 9,5 %. Dabei ist aber, wie das BKA fortfährt, auch die von der deutschen Bevölkerung immer noch abweichende Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur der Ausländer zu berücksichtigen. So ist z.B. der Anteil der allgemein gering belasteten alten Menschen bei der deutschen Bevölkerung größer. Nimmt man dies alles zusammen, dann kommt man mit Vorbehalt und trotz der unbestreitbar erheblich angestiegenen Kriminalität unter nichtdeutschen Jugendlichen und Heranwachsenden zu der Feststellung, daß die Kriminalität in der nichtdeutschen Wohnbevölkerung der in der Gesamtbevölkerung entspricht.

Und nun das Fazit: Das Bundeskriminalamt und die Konferenz der Innenminister legen Informationen vor, die in ihrer fatalen Auswirkung in durchaus kalkulierbarer Weise das Sündenbock-Syndrom "Ausländer" in der Bevölkerung verstärken müssen. Dahinter steht offensichtlich eine Interessenlage, die den einzelnen, auch offiziellen Stellen nicht deutlich genug sein mag, aber durchaus in einem verstehbaren ausländerpolitischen Kontext steht. Die Medien sind faktisch gezwungen, dies bei Strafe der Verdächtigung einer Manipulierung der Öffentlichkeit zu vermitteln, die genau dies scheint hören zu wollen. Immerhin bejahen 42 % wissenschaftlich befragter Deutscher die Feststellung: "Die hohe Kriminalität bei uns ist vor allem darauf zurückzuführen, daß es hier so viele Ausländer gibt" (Beilage zur Wochenzeitung "Das Parlament", 26. Juni 1982). Wer vermag gegen dieses Interessengeflecht und Informationskartell etwas auszurichten? Schließlich müssen die Zeitungen doch wohl darüber berichten - auch die SZ vom 5.5.1983 - daß die Bundesregierung sorgfältig untersuchen wird, ob politischer Extremismus und Kriminalität von Ausländern dadurch wirksamer bekämpft werden können, daß die Ausweisungsmöglichkeiten erweitert werden.

Das supponierte Interessengeflecht bedarf durchaus einer Legitimierung, die in der Bundesrepublik längst den Charakter geistesgeschichtlicher, wissenschaftlicher Einbettung angenommen hat und daher auch auf höherer publizistischer Ebene abgehandelt wird.

2.2 Das Feuilleton-Thema: Überfremdung

In der Feuilleton-Beilage der Süddeutschen Zeitung vom 3./4. Juli 1982 (also nach der Veröffentlichung des Heidelberger Manifests) erschien ein Artikel des Leiters der Forschungsstelle für Humanethologie am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen, Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt über "Die Angst vor den Menschen - von den Wurzeln diskriminierenden Verhaltens", der Leserschaft und Redaktion für mehrere Wochen beschäftigt hat.

Ich schrieb einen Brief mit folgendem Tenor an die Redaktion: Die Trias ist perfekt:

a) Prof. Schmidt-Kaler, Bochum, maßgeblicher Unterzeichner und Verfechter des Heidelberger Manifests, kann kurz vor der Bundestagswahl 1980 (also noch vor dem Erscheinen des Heidelberger Manifests) in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen umfangreichen Artikel unter dem Thema "Mit wieviel Fremden die Bundesrepublik leben kann" veröffentlichen. Dieser Artikel gipfelt in der Frage, was aller Wohlstand der gegenwärtigen Generation nütze, wenn die Identität, das Weiterleben des deutschen Volkes in künftigen Generationen gefährdet sei. Für ihn sind nicht die Gastarbeiter schlechthin das Problem, sondern ihr asiatischer Anteil (FAZ vom 30.9. 1980).

b) Kurze Zeit darauf, am 21.11.1980, erscheint in der Wochenzeitschrift "Die Zeit" ein großer Beitrag von Jürgen Schilling, dem Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, mit der Überschrift: "Sind wir fremdenfeindlich, provinziell, vermufft oder gar rassistisch?". Der Handlungsvorschlag am Ende seines Artikels läuft auf Repatriierung von Ausländern in ihre Heimat hinaus, wobei Schilling an die Rückführung des größten Teils der Gastarbeiter aus den europäischen Randgebieten bzw. außereuropäischen Randgebieten - wieder sind es die ,Asiaten' - denkt. In etwas abgemilderter Form erschien dieser Artikel in der von den katholischen Bischöfen als Alternative zu "Publik" finanzierten "Rheinischer Merkur - Christ und Welt" (9.1.1981).

c) Und nun - so mein Schreiben - hat die Süddeutsche Zeitung Prof. Eibl-Eibesfeldt ihre Spalten geöffnet, um ähnliche Ansichten wie Schilling und Schmid-Kaler zu artikulieren.

Es ist ein Leichtes, die weitgehenden Gemeinsamkeiten der drei Autoren herauszustellen, deren Ideen als Elemente einer Ideologie der Neuen Rechten in der Bundesrepublik gelten könnten.

Daß solche und ähnliche Vorstellungen in einem härter werdenden Verteilungskampf Oberwasser bekommen, ist an sich nicht verwunderlich. Nur die Tatsache, daß drei der renommiertesten Publikationsorgane in der Bundesrepublik nicht unmaßgeblichen Vertretern ideengeschichtlich bedenklicher Vorstellungen eine hochqualifizierte publizistische Plattform bieten, läßt darauf schließen, daß sich in der Bundesrepublik ein geistiger Umbruch vollzieht.

Chefredakteur Hans Heigert antwortet umgehend unter dem 28.7. mit dem Hinweis, daß der Artikel von Eibl-Eibesfeldt, dann aber auch jener des Redaktionsmitglieds Claus Heinrich Meyer, ein außerordentlich großes Echo im Publikum gefunden habe. Einen Teil der positiven und negativen Leserbriefe hätten sie veröffentlicht, darunter auch einen von Herrn Eibl-Eibesfeldt, der sich gründlich mißverstanden sähe - freilich nicht zuletzt durch eigene Schuld. "Ich" - so Heigert - "für meine Person kenne den Autor sehr gut, zumal seine Bücher. So erlaube ich mir ein persönliches Urteil. Ich rechne ihn nicht zur ,neuen Rechten' in der Bundesrepublik" (im Archiv des Autors).

Aus der Art der redaktionellen Verarbeitung dieses Vorfalls mag man schließen, daß die SZ die Scharte auszuwetzen suchte. Der erwähnte Artikel von Claus Heinrich Meyer (17./18.7.1982) stuft den Beitrag von Eibl-Eibesfeldt folgendermaßen ein: "Zweifellos stammt der raffiniertere Text nicht von den Verfassern des Heidelberger Manifests, sondern aus der Feder von Irenäus Eibl-Eibesfeldt ("Die Angst vor den Menschen,,) . . . Seine hinter dem Schild der Wissenschaftlichkeit vorgetragenen Behauptungen passen exakt auf die. . . von Hermann Bott erarbeiteten ,Rationalisierungsformeln des Vorurteils', zumindest auf deren wichtigste, wonach Ausländerfeindlichkeit stets argumentiere, die Fremdgruppe schädige die biologische Substanz des Volkes und entziehe dem Volksvermögen ungeheure Summen". Meyer fallt es zum Schluß seines Artikels schwer zu glauben, "daß solche Texte bei vollem Bewußtsein, in der Kenntnis der Herkunftsgeschichte wie der Wirkungsgeschichte alldeutscher völkischer und nationalsozialistischer Propaganda, sowie eingedenk der wachsenden Xenophobie verfaßt werden".

Noch schwerer fällt es aber, die Tatsache einzuordnen, daß ein solcher Text nach den Beiträgen von Jürgen Schilling und Schmidt-Kaler und nach der Publikation des Heidelberger Manifests und den öffentlichen Diskussionen darüber in der Süddeutschen Zeitung erscheinen konnte. Schließlich hatte es auch schon eine öffentliche Kontroverse um ähnliche Äußerungen von Eibl-Eibesfeldt in den Lutherischen Monatsheften (1/81) gegeben, die sich nicht zuletzt auch in einem Kommentar von Pankraz in "Die Welt" (12.1.81) niedergeschlagen hatte. Danach sei die Kontroverse durch einen denunziatorischen Artikel des Kieler Biologen Kattmann ausgelöst worden, der den bekannten Konrad-Lorenz Schüler Eibl-Eibesfeldt in die Nähe der nationalsozialistischen Rassenlehre gerückt habe. Pankraz immerhin empfiehlt dem Gesetzgeber im Rahmen der Emigrationsprobleme: "Ratschläge von verantwortungsbewußten Forschern, wie Prof. Eibl-Eibesfeldt sollten dabei hochwillkommen sein". Mein Urteil: Sie waren es und könnten es noch sein.

Von der Diskussion um die Ansichten von Jürgen Schilling verdient der vergebliche Versuch des für Ausländerfragen zuständigen Bischofs der Deutschen Bischofskonferenz Helmut Hermann Wittler von Osnabrück, einen Gegenartikel in "Die Zeit" zu veröffentlichen, Erwähnung. Immerhin war der Artikel von Jürgen Schilling von der Wochenzeitung als Diskussionsbeitrag gedacht. Der zuständige Redakteur Haug von Kuenheim bestätigte dem Bischof auch die Hoffnung, "daß sich viele kompetente Persönlichkeiten melden, um Schillings Thesen entweder zu verteidigen, oder ihnen zu widersprechen". Aus der Anfrage des Bischofs allerdings sei eben nicht klar geworden, in welcher Richtung ein eventueller Artikel von ihm ziele. "Will er lediglich die Haltung der Kirche verteidigen?" Kurzum: v. Kuenheim möchte vor einer Zusage den "roten Faden" des Artikels kennen (29.12.1980). Auf diese Art Vorprüfung und Vorzensur (!) ließ sich der Bischof nicht ein. Das Hin und Her hierüber zog sich etwa sieben Wochen hin und endete damit, daß v. Kuenheim das Argument nachschob, er wolle Doubletten vermeiden: "Vielleicht hat Bischof Lohse das Gefühl, sollte er uns möglicherweise einen Artikel andienen, mit den gleichen Fragen zu den gleichen Argumenten Stellung nehmen zu müssen", so wörtlich . Von Kuenheim scheint bei Beiträgen von den Kirchen um Niveau und Image der Wochenzeitung besorgt zu sein, eine Besorgnis, die bei der Veröffentlichung der Auffassungen von Schilling wohl kaum bestanden hat.

Die direkte Debatte mit Schilling ist in der Öffentlichkeit dadurch beendet, daß er "aus eigener Entscheidung" dem Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes Botho Prinz zu Sayn-Wittgenstein zugesichert hat, "daß er künftig auf Verlautbarungen zu diesem Problembereich verzichten wird". Dies teilt der Präsident der Vorsitzenden der Interessengemeinschaft der mit Ausländern verheirateten deutschen Frauen e.V. unter dem 10. Januar 1983 mit, indem er betont, daß die offizielle Haltung des Deutschen Roten Kreuzes diejenige ist und bleibt, wie sie nicht nur in zahlreichen programmatischen Erklärungen, sondern in der tagtäglichen Arbeit auf den verschiedenen Verbandsstufen ihren erfolgreichen Ausdruck findet. Herr Dr. Schilling habe selbst die Überzeugung gewonnen, "daß in diesem so umstrittenenen Problembereich offensichtlich nicht möglich ist, eine Trennung zwischen Person und Amt zu erreichen". Sollte das nicht analog auch von einem so hervorragenden Wissenschaftler, wie Prof. Dr. Eibl-Eibesfeldt gelten? Aber sowohl er wie die Unterzeichner des Heidelberger Manifests etwa wollten ja wohl durchaus ihr wissenschaftliches Gewicht für ihre politischen Vorstellungen in die Waagschale werfen, offensichtlich nicht ohne beachtlichen Erfolg.

3. Minderheiten in der Presse von morgen - eine neue Perspektive

In diesem geistigen Klima und Umfeld besteht die Gefahr, daß jeder, der selbst mit gut gemeinten Vorstellungen über die Ausländer an die Öffentlichkeit tritt, die Visibilität der Ausländer in den Medien und in der Gesellschaft erhöht, das heißt einem Prozeß Vorschub leistet, der Gruppen einer Bevölkerung ausgrenzt, von den anderen abhebt, sie gesondert betrachtet und damit fast zwangsläufig für eine Sonderbehandlung anbietet. Insofern kann es derzeit und auch künftig vom journalistischen Ethos durchaus angezeigt sein, diesen Prozeß der Visibilisierung nicht zu verstärken und etwa die Ausländer in der Kriminalstatistik tatsächlich nicht zu erwähnen.

Das würde pragmatischen Hinweisen einer BKA-Studie "Zur Delinquenz ausländischer Jugendlicher" entsprechen, die inhaltlich selbstverständlich von den Autoren und nicht vom BKA verantwortet wird. Sie problematisiert bereits im genannten Kontext die Verwendung des Begriffs Ausländer und hält, selbst auferlegte" Visibilitätsbeschränkung" polizeilicher Maßnahmen gegenüber ausländischen Jugendlichen fur denkbar, "die sich auch im Verzicht auf spezielle Ausländerdateien und -karteien ausdrücken könnte" (Hamburger et al. 1981, S. 182ff.).

Die Studie formuliert das nicht zu umgehende Dilemma, das auch für die Medien und für die Politik besteht: "Solange ausländerspezifische Lebensbedingungen existieren und im Bereich der Kontrollstrukturen (gemeint sind u.a. Polizei und Gerichte) ausländerspezifische Verfahrensweisen, symbolisiert in der Möglichkeit der Ausweisung, nachzuweisen sind, müssen wir für eine möglichst weitgehende Ehrlichkeit der Kontrollorgane darüber plädieren, daß Ausländer eben nicht gleichberechtigt behandelt werden und dafür, daß die für sie spezifischen Selektionsmechanismen offen gelegt werden". "Wenn jedoch", und dies ist die eigentliche Intention dieser für die Anliegen der ausländischen Jugendlichen sehr einfühlsamen Studie, "der Aspekt der Integration weiterhin Gültigkeit behalten soll, müssen wir für eine völlige Entkategorisierung des Begriffs Ausländerkriminalität plädieren", d.h., daß eben Ausländer und Ausländerkriminalität als Kategorie überhaupt (tendenziell) entfallen. Für die Studie ist jedenfalls die "spezifische" Behandlung der ausländischen Mitbürger, also nicht nur derer, die gegen das Gesetz verstoßen, integrationshemmend.

Vielleicht ist es hilfreich, diesen Aspekt noch einmal von einer ganz anderen Seite zu beleuchten, wo es um den gezielten Versuch geht, Fremdenfeindlichkeit abzubauen.

Im Jahre 1982 hat ein Marktforschungsinstitut (IMW, Köln) der damaligen Bundesregierung einen Bericht zu einer von dieser geplanten Kampagne erstellt, die über die tatsächliche Situation und die Ausländerpolitik der Bundesregierung informiert, um Verständnis, Zustimmung und Unterstützung der Regierungspolitik wirbt und unkontrollierbaren Emotionen und Reaktionen in der Bevölkerung entgegenwirkt (Untersuchung zur Vorbereitung einer Informationskampagne der Bundesregieru.ng zur Ausländerpolitik, Bericht 6/82, S. 1). Von drei Werbeagenturen lagen Konzeptionen einer entsprechenden Kampagne vor, für die das Institut bei der Zielgruppe, also bei Multiplikatoren und in der Bevölkerung eine Art Pre-Test, eine vorausgehende Erfolgskontrolle, durchgeführt hat.

Hierbei wird festgestellt, daß nur 10 bis 20 % der befragten Bürger eine annähernd richtige Schätzung der Zahl der hier lebenden Ausländer angeben konnten. "Überschätzungen bis zu 20 oder 30 Millionen waren nicht selten" (S. 10). Das Institut sieht in solcher Fehleinschätzung einen wichtigen Teil der "rationalen Fundierung" von Überfremdungs- und Bedrohungsängsten. "Die quantifizierten oder nur gefühlshaft empfundenen Überschätzungen sind quasi der Multiplikationskoeffizient für Einzelinformationen über Probleme, Kriminalität usw.". Dabei hat die Mehrheit der Bürger und auch ein erheblicher Teil der befragten Multiplikatoren keinen Kontakt zu Ausländern, der die Qualität des "auf der Straße Sehens" überschreite (S. 14). Die Problemwahrnehmung werde durch ein Fernbild, durch die Medien und durch Gespräche mit anderen geformt. Die Unmöglichkeit, Sprechkontakt aufzunehmen und die Andersartigkeit der Ausländer führten, verstärkt durch Berichte über Ausländerkriminalität, zu einem "Gefühl der Bedrohung" (S. 9). Diffuse und teils falsche Informationen einerseits und überdimensioniert wahrgenommene Ausländerpräsenz andererseits werden als Nährboden für Bedrohungsängste und sich daraus entwickelnde Emotionalität und Polarisierung sowie Aggression angesehen (S. 3). Bei den Schlußfolgerungen für eine Informationsstrategie geht die Studie davon aus, daß die mangelnde Differenziertheit der in der öffentlichen Meinung vorliegenden Informationen schon die Qualität von Fehlinformationen gewinne (S. 28).

Daran würden nach Auffassung des Instituts auch die drei getesteten Kampagne-Vorschläge nichts ändern, obwohl bei ihnen in Text und Visualisierung emotionale und irrationale Argumente verknüpft wurden (S. 21). Eine der vorgeschlagenen Kampagnen bewirke geradezu das Gegenteil des Beabsichtigten (S. 22)! Hier hatten die Tester festgestellt, daß die Art der Visualisierung (gemeint sind vor allem die Plakate verbunden mit der Etikettierung "Ausländer" und den Bildmotiven) starke emotionale Widerstände erregt hätten. Die vorgelegten Hauptargumente würden entweder nicht verstanden oder gar nicht akzeptiert.

Hiermit sind die Grenzen konventioneller Goodwill-Aktionen und Goodwill-Berichte wie -Sendungen aufgezeigt.

Es genügt nicht, das Ausländerthema in den Medien zurückzunehmen und diese Bevölkerungsgruppe als "Ausländer" zu entkategorisieren. Es bedarf vielmehr einer neuen Perspektive. Eine solche Perspektive ist z.B. das Ergebnis von Arbeiten innerhalb der Fortbildung von Lokaljournalisten, die von der Bundeszentrale für Politische Bildung und dem Verein pro Lokalzeitung in Bonn betrieben wird. Michael Bechtel und Birgit Mentzel-Buchner beschreiben diese Perspektive als "Grundzüge für eine Konzeption" (Ausländer, Themen für Lokaljoumalisten, Band 1, 1983, S. 4). Hierbei gilt, daß von Anfang an Ausländer nicht als Randgruppe behandelt werden. "Adressaten der Berichterstattung müssen Deutsche und Ausländer gleichermaßen sein". Zufrieden könne man aber erst sein, wenn für Ausländer keine publizistischen Sonderleistungen mehr erbracht werden müssen; wenn die verschiedenen Nationalitäten in der Zeitung als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft erschienen.

Dies könnte man als den publizistischen Reflex auf eine gegenseitige Integration, bzw. auf ein multikulturelles Zusammenleben von Minderheiten in einer Mehrheitsbevölkerung ansehen. Dies setzt aber eine Wende in der gesamten Öffentlichkeit voraus. Es muß ein Lernen in Gang kommen, es müssen Erfahrungen gemacht werden und ein Bewußtsein sich entwickeln der untrennbaren Zusammengehörigkeit und auch der Gemeinsamkeit der Interessen der in der Bundesrepublik lebenden Menschen gleich welcher Nationalität. Wo dies gelingt, würde es sich bereits in der Sprache niederschlagen. Wenn jetzt noch die Ausdrücke - auch in der Umgangssprache - verwendet werden wie etwa "der Ausländer" - "der Grieche" oder "der Türke", dann klingt das immer noch so, als ob darunter jemand verstanden würde, der nicht ganz dazu gehört. Semantisch ist hier eine Aussonderung gemeint, die durch ein gewisses Gefühl der Überlegenheit noch gesteigert wird. Ein normales Miteinander-leben und ein solidarisches Bewältigen jeder Krise würde sich aus dem Gefühl speisen, daß Menschen nicht durch unterschiedliche nationale Herkunft voneinander getrennt sind. Noch zeigen sich ähnliche Erfahrungen, wie sie aus der Zeit des Nationalsozialismus bekannt sind, daß viele Deutsche sagten: Ich bin befreundet mit einem Juden, er ist mein Nachbar, mein Freund oder mein Arbeitskollege . . . aber die anderen Juden! Heute klingt das bei einem Deutschen etwa so: Ich habe einen griechischen Freund, ich kenne seine Familie, ich arbeite mit ihm seit Jahren zusammen, aber wenn ich an die Türken denke. . .!? Das heißt, auch die Einzelerfahrung reicht nicht aus, um eine solidarische Mentalität zu entwickeln. Es muß in größeren Zusammenhängen gedacht und gelebt werden. Hier liegen die Möglichkeiten eines reflektierten und verantwortlichen Journalismus.


Referat auf der Tagung für Journalisten vom 30. Mai bis 1 Juni 1983 in Tutzing, 'Vom Gastarbeiter zum Millionär - Das Ausländerthema in Presse, Funk und Fernsehen', Veranstalter: Kirchenamt der EKD und Evangelische Akademie Tutzing
veröffentlicht in: Hartmut M. Griese (Hrsg.)Der gläserne Fremde - Bilanz und Kritik der Gastarbeiterforschung und Ausländerpädagogik, Opladen 1984, S, 103-114